Stargardfahrt 23.9. - 29.9.2007

Dietrich Otto
Heimatkreisbearbeiter Stargard

Sonntag, den 23.9: Unmittelbar nach Beendigung des Stargardtreffens in Elmshorn setzt sich der Bus mit den Stargardfahrern in Bewegung. Nach 11 1/2 Stunden mit Einstiegsmöglichkeiten in Hamburg, Hannover und Berlin erreicht der Bus die "Kleine Mühle" in Stargard. Reiseleiterin ist zum wiederholtem Male Christa Berke. Andere Reiseteilnehmer kommen mit dem Zug oder dem Auto. Nach dem gemeinsamen Abendessen verteilen wir uns auf die 3 Hotels "Kleine Mühle", "PKKT" und "Inwit". Abends kommen wir immer alle in der "Kleinen Mühle" zusammen.

Konzertanlage am Mad�see

Konzertanlage am Madüsee

Die Fahrt ist diesmal halbprofessionell organisiert. Die geldlichen Angelegenheiten übernimmt die Firma "Greif Reisen". Es wurde jedem geraten, eine Rücktrittsversicherung abzuschließen. Die großzügige Regelung der letzten Jahre, dass man bei Krankheit ohne Geldverlust zurück treten kann, ist nicht mehr durchzuhalten. Unser Reisebus erfüllt alle erforderlichen Ansprüche. Sein Fahrer Bernhardt  Benölken bekommt mehrmals Beifall, wenn er den 14 m langen Bus durch engste Kurven sicher bugsiert. Aber für die Planung und viele Dinge des täglichen Ablaufs ist Christa Berke zuständig. Sie wird durch unseren polnischen Freund Piotr Nycz unterstätzt, der uns an allen Tagen begleitet.

Montag, den 24.9:Nach einer für die meisten von uns doch sehr anstrengenden Anreise sind für heute keine gemeinsamen Unternehmungen geplant. So laufen wir kreuz und quer durch die Stadt, um unseren alten Erinnerungen nachzugehen. Auch gibt es in diesem Jahr viel Neues zu entdecken. Bei der Anreise haben wir bemerkt, dass die geplante 15 km lange Umgehungsstraße zur Hälfte schon benutzbar ist und zwar der Teil von Stettin aus bis zu dem Kreisverkehr vor Stargard. Die Häuser auf dem Markt haben alle einen freundlichen, hellen Anstrich. Den weiteren Ausbau der Strandanlagen am Madüsee werden wir erst später entdecken. Es ist möglich, den Turm der Marienkirche zu besteigen. Einige Kühne unter uns tun das, unter ihnen der Vorsitzende unseres Heimatkreisausschusses Jürgen Willbarth. Er hat den Fitnesstest (182 Stufen) glänzend bestanden. Das lässt uns hoffen, dass er seinen anspuchsvollen Posten zu unserem Wohle noch lange wird bekleiden können. Außer ihm haben sich noch eingelassen Dieter Krahn und Manfred Ueckert. Aber auch vom Roten Meer aus mit einem weniger schwierigen Aufstieg hat man einen schönen Blick auf Stargard. Ein besonderes Ziel ist es, die Stelle aufzusuchen, wo Ihna und Mühlenarm der Ihna zusammen fließen, aber nicht für einsame Wanderer zu empfehlen.

Aber abends 17 Uhr hat Christa Berke doch noch etwas Besonderes organisiert, wir werden in der Marienkirche von dem uns seit Jahren wohlbekannten Prälaten Hendryk Ozga willkommen geheißen. Ein halbstündiges Orgelkonzert findet extra für uns statt. Während des Konzerts können wir in Ruhe vor allem das bunt ausgemalte Gewölbe betrachten. Hoch über dem Altar befindet sich das Triforium. Das sind die 9 X 3 angedeutende Fenster. Danach bemerken wir, dass die Marienkapelle - der Anbau zum Rathaus hin - neu gestaltet und wieder betretbar ist. Vor einem Jahr war die Kapelle noch durch einen Bretterzaun abgesperrt.

Dienstag, den 25.9.: Für heute ist ein Ausflug zum Kloster Kolbatz, zum Soldatenfriedhof in Glien und zum Madüsee vorgesehen. Das Kloster liegt auf der Westseite des Madüsees, etwa 15 km von Stargard entfernt. Viele von uns standen schon vor der Klosterkirche, nur wenigen ist es bisher gelungen, hinein zu gelangen.  Diesmal ist alles präzise vorbereitet, die Tür steht bei unserer Ankunft schon offen. Nur ein Teil des Kirchengebäudes wird als Kirche genutzt und von uns ausführlich betrachtet. Der größere Teil hatte in der Vergangenheit vielerlei Verwendungen, unter anderem als Lagerhalle. Näheres über das Kloster ist in unserer Homepage zu finden.

Nach weiteren 10 km erreichen wir den Soldatenfriedhof Glien, im Kreis Greifenhagen gelegen. Die gefallenen deutschen Soldaten und Zivilopfer aus ganz Hinterpommern werden nach hier umgebettet. Piotr Nycz ist der Leiter dieser schön gelegenen und gepflegten Anlage. Rosemarie Mura sucht in fotografischer Begleitung die 4 Bäume auf, die sie gespendet hat für ihr nahestehende Personen. Einige von uns durchforschen die Bücher, die in dem kleinen Gebäude neben dem Eingang ausliegen, in einem Fall mit Erfolg. Piotr Nycz kann mit 20 cm Genauigkeit angeben, wo der betreffende Soldat begraben ist. Diese Suche kann man auch in Ruhe zu Hause fortsetzen unter www.volksbund.de.

Ein Abstecher zum Madüsee ist Pflicht bei jedem Stargard Besuch. Die Saison ist beendet, das beste vor etwa 3 Jahren erbaute Lokal ist offen. Sonst sind kaum Menschen zu sehen, wir haben den Madüsee ganz für uns allein. Es ist erstaunlich, wie großartig die Anlagen am Madüsee gestaltet sind. Die gepflasterte Promenade gab es schon im Vorjahr. Die supermoderne Konzertanlage ist gerade fertig geworden, man kann sie nicht als Konzertmuschel bezeichnen, für diese Form muss erst ein Wort erfunden werden. Wir betreten die Seebrücke, laufen auf den Holzstegen, die den Sumpf zwischen Promenade und See an einigen Stellen überbrücken. Wir kehren nach Stargard zurück, einige haben noch die Kraft, ihre Heimatstadt weiter zu erforschen. Auch die Cafes am Markt und in der Jobststr. 88 finden ihre Gäste.

Mittwoch, den 26.9.: Wir fahren nach Kolberg, ein weiter Weg über Massow, Naugard, Plathe, Greifenberg und Treptow. In Kolberg werden wir von einer polnischen Reiseleiterin Halina empfangen, die uns 3 Tage lang begleiten wird. Wir besichtigen den Dom und das von Schinkel entworfene Rathaus. Ich habe diesen Dom 1964 als Ruine gesehen. Es folgt eine kleine Stadtrundfahrt, danach stärken wir uns bei Pflaumenkuchen mit Schlagsahne. Die restliche Zeit nutzen die meisten bei sehr schönem Wetter zu einem Spaziergang auf der belebten Starndpromenade zwischen Leuchtturm und Seebrücke. Sehr schön sind die Kurhäuser auf der Straße parallel zum Strand. Dort durfte unser Bus leider nicht fahren. Auf der Rückfahrt überrascht uns unsere polnische Reiseleiterin mit einer Route über Treptow, Cammin und Gollnow. Das soll nicht weiter sein, was auch etwa stimmt. Erst einmal sind wir erschrocken, das Abendessen scheint in Gefahr. So können wir noch einen Blick in den Dom von Cammin werfen.

Donnerstag, den 27.9.: Unser Ausflug geht durch Klüzow, jetzt in Stargard eingemeindet. In Pyritz halten wir auf dem Marktplatz und besichtigen die Mauritiuskirche. Außerhalb des Stadtzentrums halten wir noch einmal am Otto Brunnen. Otto von Bamberg hat Hinterpommern während zweier Reisen 1124/1125 und 1128 christianisiert. Unser eigentliches Ziel heute ist der Dendrologische Park in Prillwitz. Die charmante und kompetente polnische Führerin erklärt uns jeden Baum und Strauch und führt uns durch das gerade renovierte Schloss. Der polnische Staat kümmert sich seit den 80-zigern Jahren um dieses Anwesen. Jetzt ist es eine touristische Attraktion. Der letzte deutsche Besitzer, Conrad von Borsig, hat sich in den 20 Jahren vor 1945 sehr um den Park verdient gemacht. Er glaubte, das auch nach 1945 tun zu könen. Er wurde von den Russen erschossen. Ein Gedenkstein im Park erinnert an ihn.

Dendrologischer Park Prillwitz

Dendrologischer Park Prillwitz

Am spätem Nachmittag unternehmen wir eine Stadtrundfahrt. Piotr Nycz hat sich akribisch vorbereitet und nennt uns jeden deutschen Straßennamen. Bei dem kleinsten Fehler wird er gnadenlos verbessert, im Bus sitzen nur kompetente Leute. Unsere Stadtrundfahrt endet am Neuen Friedhof. Viele von uns haben ihre Vorfahren hier liegen, so kaufen auch viele eine Blumenschale. Die Gedenkstätte wird von der deutschen Minderheit gepflegt und ist wie immer in einem guten Zustand. Mit einer Andacht beenden wir unseren Aufenthalt auf dem Friedhof.

Am Abend begrüßt uns endlich Zdzislaw Kosikowski, der Wirt der "Kleinen Mühle".Seine Antrittsreden sind bekannt, wir hatten schon darauf gewartet. Wir haben uns in der "Kleinen Mühle" sehr wohl gefühlt, so war jedes Abendbrot ein kulinarischer Hohepunkt. Zum Schluss spendiert er uns ein Bier oder Wodka. Wir stoßen auf das Gelingen dieser Reise an. Einen Termin für die Eröffnung des neuen Hotels "Speicher" in der Hindenburgstraße kann er nicht nennen. Unseren Heimatkreisvorsitzenden Jürgen Willbarth lädt er schon jetzt zur Eröffnung ein, das zeigt auch die enge Verbindung, die sich in den letzten Jahren ergeben hat.

Freitag, den 28,9.: Der letzte Tag führt uns nach Stettin. Wir steigen an der Hakenterrasse aus, dann beginnt unsere Stadtrundfahrt. Wir erkennen, Stettin hat noch viel Bausubstanz aus der Zeit vor 1945. Die Stadtrundfahrt endet an der Schiffsanlegestelle. Eine einstündige Rundfahrt ist fur uns reserviert, unsere Gruppe ist unter sich auf dem kleinen Schiff. Über Band werden uns Erklärungen in deutscher Sprache gegeben. Nach dem Kaffee trinken merken wir, dass man oben auf dem Deck den besseren Ausblick hat, das Wetter ist sehr angenehm.

Nach der Schifffahrt ist Freizeit, die meisten nutzen die zu einem Stadtbummel, einige laufen auf dem markierten roten Strich von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Es gibt aber noch ein Angebot von Christa Berke, ein Besuch des Zentralfriedhofs, der nach Hamburg und Wien der drittgrößte in Europa ist. Die Führung übernimmt Piotr Nycz, auch hier hat er sich sorgfältig vorbereitet. Der Friedhof wurde ab 1900 eingerichtet. Dadurch konnten 96 kleinere Friedhöfe, die bedingt durch viele Eingemeindungen, teilweise mitten in der Stadt lagen, geschlossen werden. Mit dem Bus können wir den Friedhof befahren, an markanten Stellen steigen wir aus. So besichtigen wir das Mahnmal für die 20.000 polnischen Offiziere, die 1940 von den Russen in Katyn ermordet wurden. Kunstvolle, alte, deutsche Grabmale werden auf einem Platz konzentriert. Wir können 3 Steinmetze beobachten, die diese Grabmale bearbeiten. Die Grabsteine sind als Kulturgut erklärt und werden vom polnischem Kulturministerim finanziert. Dafür sind wir dankbar. Zum Abschluss besichtigen wir das gerade neu eingeweihte Grabmal des verdienstvollen Stettiner Bürgermeisters Hermann Haken, der in seiner Amtszeit (1878-1907) den Ausbau Stettins zu einer modernen Großstadt veranlasste.

Am Abend ergreifen Christa Berkeund Jürgen Willbarth mehrfach das Wort. Es gibt organisatorische Hinweise für die morgige Abreise, aber vor allem gilt unser Dank Christa Berke und Piotr Nycz für ihre hervorragende Arbeit, durch die diese Reise für uns alle zu einem besonderem Erlebnis wurde.

Sonnabend, den 29.9.: Es ist der Tag der Abreise. Als der Bus abfährt, winkt Zdzislaw Kosikowski mit einer großen polnischen Fahne hinterher. Von Station zu Station wird der Bus leerer. Wir hoffen, dass uns im nächsten Jahr noch eimal so eine Reise in die Heimat vergönnt ist. Diese Reise hat wieder einmal gezeigt, dass auf der unteren Ebene das deutch-polnische Verhältnis intakt ist.

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