Pastor i.R. Horst Beckmann
Am Johannishof 27
31655 Stadthagen

Predigt zum Festgottesdienst anlässlich des Stargarder Heimattreffens
am 24. 09. 2011 (14.30 Uhr) in der St. Marienkirche zu Stargard/Pom

Predigttext Hebräer 13, 12-16

 

Liebe Stargarder Landsleute und Angehörige, liebe Freunde, besonders aber auch liebe polnische Mitchristen!

I.

Es ist sehr schön, dass wir uns hier heute versammelt haben, aber wem zunächst haben wir es zu verdanken, wirklich zu verdanken, dass wir in dieser schönen Kirche jetzt unseren Gottesdienst feiern? Es ist zunächst und allein unser Herr Jesus Christus, dem wir unseren Glauben zu verdanken haben und dem zu Ehren für dieses eindrucksvolle Gotteshaus im Jahre 1292 der Grundstein gelegt wurde. Zur gleichen Zeit übrigens begann man auch mit dem Bau der Johanniskirche und 150 Jahre später mit der 1. Heiligen-Geist-Kapelle, ein Fachwerkbau. Die jetzige Heilige-Geist-Kirche, die dritte, wurde 1874 gebaut. 1912 kam dann die ev. luth. Erlöserkirche in der Jobststraße hinzu und danach auch u.a. als Predigtstätte das Martin-Luther-Haus in der Stettiner Straße. Die reformierte Gemeinde bekam ihr Gotteshaus als Christuskirche in der Nähe des Wasserturms über der Hindenburgstraße 1892. Erwähnt werden muss für unsere kath. Glaubensgeschwister in diesem Zusammenhang die St. Josephskirche am Peter-Groening-Platz.

Predigt Beckmann

Predigt in der Marienkirche

Aber, liebe Brüder und Schwestern, ich muss zurückkommen zu meinen ersten Ausführungen: Dass wir diese vielen schönen Gotteshäuser in unserer Heimatstadt Stargard gehabt haben und teils noch haben, haben wir allein unserem Herrn Jesus Christus zu verdanken, von dem es in der Schrift heißt, wie ich gelesen habe: Jesus hat, um durch sein Blut das Volk zu heiligen, außerhalb des Lagers (also vor der Stadt Jerusalem auf Gogatha) gelitten. Mit seiner Auferstehung hat er die christlichen Gemeinden überall in der Welt gewollt und ist dann in ihre Mitte getreten. So hat man für ihn dann auch die unzähligen teils sehr eindrucksvollen und aufwendigen Gotteshäuser auf unserer ganzen Erde gebaut. Und es ist mir immer schon in meiner Amtszeit die Frage offen geblieben, warum auch gläubige Christen immer nur vom lieben Gott sprechen, aber es ihnen schwer fällt, den Namen unseres Herrn Jesus Christus in den Mund zu nehmen, obwohl ER, Jesus, wie es heißt: außerhalb des Lagers also vor den Toren Jerusalems für uns den Kreuzestod gestorben ist. Hinzu kommt, dass die meisten von uns in einer dieser von mir aufgezählten Kirchen getauft wurden und durch die Taufe dank ihrer Eltern den. christlichen Namen bekommen, den Christenstand angenommen haben und im Laufe des Lebens im christlichen Glauben unterwiesen wurden.

II.

Das führt uns zu einer zweiten Überlegung: Paulus hat zu seiner Zeit noch aufgerufen: „Lasst uns zu ihm hinausgehen „außerhalb des Lagers" und seine Schmach tragen." Und Paulus sagte uns auch warum. Er sagt uns, was natürlich der Wahrheit entspricht: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige und endgültige. Damit sind wir bei unserer Heimat Stargard in Pommern. Sicher sind nicht alle heute Anwesenden in Stargard geboren und groß geworden. Aber die es sind, sind dann auch in ihren Heimatkirchen teilweise noch wie ich hier in der Marienkirche konfirmiert worden; dafür habe ich unsere Stargarder Kirchen heute vorgestellt.

Mit der Taufe hat unser Herr Jesus Christus zu uns "Ja" gesagt und hat uns angenommen als seine Brüder und Schwestern. Mit der Konfirmation dann haben wir zu Jesus "Ja" gesagt und haben ihn angenommen. So hat sich der Kreis geschlossen, und so ist es gekommen, dass wir heute Gott den Herrn mit seinem Sohn Jesus Christus die Ehre geben und ihn loben und preisen. Dazu können wir wieder im Bibelwort lesen: Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber wir wollen Gott allezeit ein Lobopfer bringen, gleich wo wir sind.

Gedenkstätte

Gedenkstätte auf dem Friedhof

Aus der ganzen Bundesrepublik sind wir zusammengekommen, und einige unserer Landsleute sind hier in Polen geblieben und haben damit ihre irdische Heimat behalten. Die Heimat, in der man das Licht der Welt erblickt hat, weckt Sehnsucht hervor, wenn man in der Ferne ist. Von daher hat jeder Mensch Anspruch auf Heimatrecht. Nicht zuletzt gehört dazu, dass unsere Vorfahren schon dieses schöne Stück Erde als ihre Heimat hatten; das verbindet noch mehr. Aber wir müssen auch zugestehen, dass viele von uns auch unter den alten Grenzen und Friedensverhältnissen eines Tages nach dem Schulabschluss und der Berufsausbildung die alte Heimat verlassen hätten und sich eine neue Wohnstatt in Verbindung mit der Lebensexistenz oder einer in der Ferne gegründeten Familie eingerichtet hätten. Trotzdem haben wir unsere alte Heimat lieb, und ich gehöre ganz gewiss nicht zu denen, denen der Geburtsort und der, wo man aufgewachsen ist und wo die Vorfahren schon groß geworden sind, gleichgültig ist; ganz im Gegenteil. Aber besonders als Theologe habe ich mich damit abgefunden, zu erkennen, dass unsere alte Heimat eine Station unseres Lebens war. Und wenn wir alle jetzt an unseren gegenwärtigen Wohnort denken, sprechen wir davon, dass wir nach diesen gemeinsamen Tagen wieder nach Hause wollen, in unser jetziges Zuhause. Andererseits müssen wir auch respektieren, dass die Menschen, die heute hier wohnen, hier ihre Heimat haben. In Stargard habe ich einen polnischen Freund, der mir schon vor Jahren sagte, als ich von meiner Heimat Stargard sprach: "Stargard ist auch meine Heimat, denn ich bin hier geboren wie Du, und wohne hier schon vor 40 Jahren," Was sollen wir dazu sagen?

III.

Damit komme ich zur dritten Überlegung und bitte dafür wieder in den Bibeltext zu schauen: In unserem gegenwärtigen Zuhause haben wir auch unsere christliche Gemeinde, in der wir wie heute hier Gott die Ehre geben können. Und wir sollten uns dessen bewusst sein, dass Jesus Christus seine Gemeinde überall in der Welt gegründet hat. Für sie ist ER zunächst durch sein Leiden und Sterben "außerhalb des Lagers", also auf Golgatha, den Weg gegangen bis zu seiner Auferstehung, damit wir leben sollen. So ist dann unser Leben auch eine Verpflichtung unserem Schöpfer und Erlöser gegenüber. Dafür ist auch ein Beispiel die Entstehung dieser gewaltigen und prachtvollen Kirche. Die Haupt- und Stadtkirche St. Marien, wie sie sich nannte, übrigens ursprünglich die drittgrößte Kirche Norddeutschlands nach den Marienkirchen in Danzig und Lübeck, wurde weitgehend aus den Geldmitteln der Stargarder Bürger, der hansischen Kaufleute im Laufe mehrerer Jahrhunderte gebaut und fertiggestellt. Was müssen dafür großzügige Spenden zusammengekommen sein? Aber es bleibt dabei: Zu danken haben wir diese Zusammenkunft heute unserem Glaubensgründer Jesus Christus, der durch sein Blut außerhalb des Lagers, wie es im Gotteswort heißt, also auf Golgatha sein Leben für uns gelassen hat.

Das verpflichtet uns auch zum christlichen Liebesdienst, der in zweifacher Weise zum Ausdruck kommen soll: Erstens haben wir allen Grund, danke zu sagen und es in der Form zu tun, dass wir unseren Schöpfer und Erlöser loben und preisen, wie wir es heute nachmittag in diesem Gottesdienst tun. Zum anderen aber sollten wir uns das Wort aus dem Hebräerbrief zu Herzen nehmen, wie es da im letzten Satz des heutigen Predigtwortes heißt: Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. Gott trägt keine Schuld für unser unwürdiges Verhalten auf dieser einst so schönen Erde. Hat man nach sinnlosem Krieg zwischen den sich bekriegenden Völkern Frieden geschlossen, bricht an anderer Stelle ein neuer Kriegsherd aus. Täglich gibt es auf der ganzen Erde neue Kriege und Kriegsherde. Täglich sind Menschen auf der Flucht und werden aus ihrer Heimat vertrieben. Das ist Menschenwerk und berechtigt deshalb nicht zu der Frage: Warum lässt Gott das zu? Gott lässt den Menschen ihre Freiheit, bis der große Tag kommt, da diese Weltzeit ein Ende haben wird. Solange haben wir aber nachdenklich zu sein und für alles Gute, das wir empfangen, zu danken. Das heißt, dass wir jederzeit schlechten Gewissens zu denen zu schauen haben, denen es schlechter geht als uns. Gottes Wille ist es, dass wir dankbar sind für unsere neue Bleibe und für alles Gute, das wir immer wieder neu aus Gottes guten Händen nehmen dürfen. Und dafür wollen wir nicht vergessen, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. Dass wir auch heute unsere alte Heimat wieder aufsuchen konnten, ist wirklich Grund zum danken. Wir wollen sie als eine gute Wegstrecke unseres Lebens in bleibender Erinnerung behalten und uns freuen, dass wir auch hier heute jetzt wieder Freunde gefunden haben, die uns die Sehnsucht nach der alten Heimat leicht machen und mit uns fröhlich unsere weitere Lebensstraße ziehen lassen. Gott sei Lob und Dank, der zu uns durch unseren Herrn Jesus Christus immer wieder seine Güte ausschüttet und uns froh werden lässt. Amen

 

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