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Bericht über die Tätigkeiten und Veranstaltungen
der Deutschen Minderheit im III. Quartal 2018

Ortsgruppe Stargard

Stargard, den 01.10.2018

                                                                                                                                                          

Der Sommer 2018 mit seinen sonnigen Tagen und rekordverdächtigen Temperaturen bleibt uns allen noch lange in Erinnerung. Was dem Urlauber ein Grund zur Freude war, erfreute den Bauern und den Gärtner keinesfalls. Wochenlang regnete es in Stargard nicht, und wenn schon, dann nur ein paar Tropfen, die schnell verdampften. Schöne Parkanlagen und Rasenflächen sahen gelb und ausgetrocknet aus. Sogar 100-jährige Bäume schienen zu verdursten…

Auch unseren Mitgliedern machte das tropisch anmutende Wetter zu schaffen, aber wir versuchten unsere Aktivitäten so wenig wie möglich einzuschränken. Wir waren unterwegs in Pommern, wir trafen uns mit den Freunden aus Deutschland und feierten Geburtstage unserer Kollegen. Im August legten wir eine einmonatige Urlaubspause ein, die jedoch keinen Stillstand mit sich brachte. Lesen Sie also nachstehend weiter, was bei uns im III.Quartal 2018 passiert ist! 


Juli 2018

Kirchfest Penkun

Am 01.Juli begab sich unsere Ortsgruppe nach Penkun, wo wir an einem Kirchfest teilnahmen. Gegenseitige Besuche sind zur festen Tradition geworden, die beide Seiten schon seit Jahren gern pflegen. Mal reisen die Penkuner nach Stargard, mal gehen wir auf Achse. Diesmal waren wir an der Reihe, und eine achtköpfige Abordnung vertrat nach besten Kräften unsere Ortsgruppe in Penkun. Nach der Andacht im Zelt auf dem Platz vor der neogotischen Kirche gab es eine vom Pastor Riedel moderierte Podiumsdiskussion, während der wir uns und unsere Vereinsarbeit in Stargard vorstellten und die Fragen beantworteten. In lockerer Atmosphäre verging die Zeit schnell, wozu auch guter Kaffee und Kuchen ihren Beitrag geleistet haben mögen. Zum Abschluss wurde noch im Gemeindehaus von dem Regisseur Herr Michael Majerski ein Film „Meiner Mutter Land“ vorgeführt, an den sich eine lebhafte Diskussion anschloss. Wer den Film nicht kennt, kann ihn im Internet finden oder den Regisseur kontaktieren. Es lohnt sich auf jeden Fall, ihn zu sehen und sich mit der Problematik der Schicksäle der nach dem II.WK in Pommern verbliebenen deutschen Frauen auseinanderzusetzen. Es fiel uns schwer, von Penkun Abschied zu nehmen, aber irgendwann mussten wir nach Stargard zurück.


Sommerfest in Jakobshagen

Knapp 3 Wochen später, am 26.Juli feierten wir zusammen mit den Gästen aus Deutschland (unter Führung von Herrn Horst Born) und Vertretern anderer deutscher Minderheiten aus der Region ein traditionelles Sommerfest im Stadtpark in Jakobshagen. Gekommen waren unter anderem Kollegen aus Arnswalde, Schneidemühl und Dramburg. Unsererseits nahmen etwa 20 Personen teil, für die wir einen kleinen Bus anmieten mussten. Bei sonnigem Wetter, fast möchte man sagen „Kaiserwetter“,  feierten fast 100 Teilnehmer bis zum späten Abend. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Verein „Die Goldene Kralle“ aus Jakobshagen und musikalisch begabte Kolleginnen aus Schneidemühl. Im Laufe der Veranstaltung ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten, Gespräche zu führen und Erfahrungen auszutauschen. So wissen wir jetzt, dass andere Ortsgruppen der deutschen Minderheit aus der Region mit ähnlichen Problemen wie unsere zu kämpfen hätten und dass man gemeinsam nach Lösungen hierfür suchen müsste.   

Es war ein wie immer sehr gelungenes Fest, auf dem neben ersthaften Gesprächen auch viel gelacht, gesungen und getanzt wurde. An dieser Stelle bedanken wir uns bei den deutschen Freunden vom HKA Saatzig für finanzielle Unterstützung, die solches Treffen in Jakobshagen überhaupt möglich gemacht hat und bei dem erwähnten polnischen Verein „Die Goldene Kralle“, dessen Team die Organisation vor Ort übernommen und wie jedes Jahr  beispielhaft gemeistert hat. Den Grillmeister können wir Ihnen mit ruhigem Gewissen nur empfehlen!

Nach den beiden auswärtigen Veranstaltungen im Juli kam die Sommerpause, während der unser Büro geschlossen blieb. Trotzdem ging das Vereinsleben weiter.


August 2018

Wie gesagt, es war geplant, im August eine Sommerpause einzulegen und die Urlaubszeit zu genießen. Manche von uns waren verreist, besuchten ihre Familien oder waren einfach im Garten beschäftigt, wo sie ihre Pflanzen jeden Tag gießen mussten. Denn auch August war extrem warm und trocken. Am 08.08.2018 stieg die Quecksilbersäule auf rekordverdächtige +39 Grad im Schatten d.h. auf den Wert, an den sich sogar die ältesten Mitglieder unserer Ortsgruppe nicht erinnern konnten. So etwas hat es in den letzten Jahrzehnten einfach noch nie gegeben! Bei solchen Temperaturen wird jede körperliche Arbeit zur Folter und der Asphalt zum weichen Brei.

Urlaub an der Ostsee

Der Verfasser dieser Zeilen versuchte, das Beste daraus zu machen und besuchte mehrmals die Ostseeküste. Am nächsten (98 Kilometer Entfernung auf ruhigen Landstraßen über Naugard und Cammin) liegt eine eher wenig bekannte Ortschaft Klein Divenow (anderer Name Walddievenow). Zwar auch dort war der Strand voll, aber man konnte bereits nach einer halben Stunde Spaziergang menschenleere, feinsandige Landschaften mit vom Wind gebeugten Kiefern bewundern und das Rauschen unserer einzigartigen Ostsee genießen. Kolberg, Misdroy oder Swinemünde bieten natürlich mehr an Infrastruktur und Unterhaltung an, aber wenn jemand eher Ruhe und Natur bevorzugt, ist er dann gut beraten, eine kleine Ortschaft zu besuchen. Auch die Wasserqualität scheint besser, wenn weniger Menschen baden…


Trotz der Sommerpause war unsere Vereinsarbeit nicht eingeschlafen. Das Büro blieb grundsätzlich geschlossen, indes machten wir Besuche bei anderen Minderheiten in Hinterpommern.

Grill in Dramburg

Zunächst besuchten wir am 18.August unsere Kollegen in Dramburg, wohin wir zum Grillfest eingeladen waren. 12 Mitglieder unserer Ortsgruppe trafen sich am malerischen See mit etwa 20 Kollegen von der dortigen Minderheit.

Noch bevor die Veranstaltung richtig begann, waren wir zum Dorffriedhof in Wusterwitz gefahren, um den letzten Abschied von einer vor kurzem verstorbenen Kollegin zu nehmen. Wir kannten Barbara seit Jahren - sie war eine der tragenden Säulen der Minderheit in Dramburg und ihr Organisationstalent wird dort fehlen. Sie war nur 64 Jahre alt.

Während unsere Minderheit vor allem aus Personen besteht, die ihren Wohnsitz in Stargard haben, setzt sich die Dramburger Gruppe zum überwiegenden Teil aus Personen, die in der Umgebung von Dramburg d.h. in umliegenden Dörfern leben, zusammen. Das erschwert natürlich die Arbeit und schwächt den Zusammenhalt. Wir hoffen, dass die guten Kontakte nach Stargard, die inzwischen aufgebaut werden konnten, der dortigen Minderheit helfen, sich neu zu organisieren und die Ortsgruppe zu beleben. Das Grillfest in Dramburg war mit Sicherheit ein wichtiger Beitrag dazu. Nächstes Treffen wird zum Weihnachtsfest im Dezember in Stargard stattfinden. Wir sind gespannt, was uns die Kollegen über ihre Ortsgruppe berichten werden.


Ein paar Tage später, am 24.August fuhren unsere Freunde aus Penkun zum evangelischen Gottesdienst in Groß Volz und dem anschließenden Treffen der deutschen Minderheiten in Rummelsburg. 5 deutschsprachige Mitglieder unserer Ortsgruppe nahmen die Einladung zum Mitfahren an. Während der Busfahrt erzählte Pastor Riedel über die Geschichte der durchgefahrenen Städte und bereitete uns geistlich auf den bevorstehenden Gottesdienst vor. Am Ziel angekommen wurden wir von Donnern und Regen begrüßt, aber die Dorfkirche in Groß Volz, malerisch auf einem über alles herrschenden Hügel von der Familie derer von Massow errichtet, bot uns allen – Gästen und Einheimischen - einen sicheren Schutz. Zum Gottesdienst erschienen nämlich dort ansässige Protestanten, die zum Teil auf Deutsch, zum Teil auf Polnisch „Vater unser“ sprachen. Die dortige Gemeinde ist im Verschwinden begriffen und leider nicht mehr imstande, laufende Rechnungen, geschweige denn notwendige Reparaturen zu bezahlen. So mussten wir ohne Strom, ohne Orgel und Beleuchtung im kalten Gemäuer beten und Kirchenlieder singen. Wahrscheinlich war unser Gottesdienst der letzte evangelische, der in der dortigen Kirche abgehalten wurde: die protestantische Gemeinde sucht händeringend nach jemandem, der das Gebäude übernehmen möchte. Es wäre wirklich schade, wenn es einfach dem Verfall preisgegeben werden würde.

Besuch in Rummelsburg

Geistlich gestärkt fuhren wir ein paar Kilometer weiter nach Rummelsburg zum Treffen deutscher Minderheiten. Zu unserer Freude sahen wir dort unsere Bekannten aus Stolp, Köslin und natürlich aus Rummelsburg. Beim gemeinsamen Grillen, später bei Kaffee und Kuchen entstanden interessante Gespräche, und es wurden wertvolle Erfahrungen ausgetauscht, denn die Situation jeder Ortsgruppe ist ein bischen anders, zumal die Kollegen in anderen Teilen Pommerns als wir tätig sind. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede z.B. während die deutsche Minderheit in Köslin ein gerichtlich eingetragener Verein, der über die große Selbständigkeit verfügt, ist, sind wir dem Bezirksvorstand unterstellt und an dessen Weisungen gebunden. Bei solchen Gesprächen verging die Zeit unbemerkt, und eher als uns lieb gewesen wäre, mussten wir uns auf die Heimreise begeben. Unterwegs machten wir in Kallies noch einen kurzen Halt, wo der im Bus mitreisende Sohn des letzten evangelischen Pastors über die Geschichte des Kirchengebäudes und das Wirken seines Vaters beeindruckend erzählte. In Stargard kamen wir schon bei der anbrechenden Dunkelheit an, aber alle Strapazen haben sich gelohnt: ein Gottesdienst in einer vereinsamten Kirche irgendwo in Ostpommern, ein Wiedersehen mit alten Bekannten waren uns dessen wert. Wir danken unseren Freunden aus Penkun, vor allem Herrn Pastor Riedel, dass sie uns mitgenommen und einen unvergesslichen Tag geschenkt haben. 


Geburtstag Jadwiga Buda

Zum Ausklang der Sommerpause, die, wie Sie bereits gelesen haben, alles andere als Ruhezeit war, feierten wir am 31.August den 70.Geburtstag von Frau Jadwiga Buda, der Ehefrau unseres langjährigen Vorsitzenden Daniel Buda, der vor einem Jahr plötzlich gestorben war. Wir wünschten ihr alles Gute, vor allem viel Gesundheit und brachten die Hoffnung auf noch lange Zusammenarbeit zum Ausdruck.


September 2018

Geburtstag Erhard Grünbauer

Den Monat nach der sogenannten Sommerpause begannen wir mit dem Geburtstag von Herrn Erhard Grünbauer am 14.September. Diese Feier hatte aber auch einen tieferen Hintergrund. Im Sommer war Erhard plötzlich schwer erkrankt und musste wochenlang im Stargarder Krankenhaus behandelt werden. Dank der modernen Ausstattung mit hochwertigen medizinischen Geräten konnten die Ärzte den Erfolg erzielen und Erhard wieder gesund machen. Während seines erzwungenen Aufenthaltes im Krankenhaus besuchten wir ihn  regelmäßig – mit seinem Geburtstagsfest wollte Erhard sich bei uns für unser Interesse und Hilfe bedanken. Es war natürlich selbstverständlich, dass wir unseren kranken Kollegen in seiner Not auf jede uns mögliche Weise unterstützten. Hauptsache, er ist wieder mit uns und kann sich ehrenamtlich für die deutsche Minderheit in Stargard wieder engagieren.

Wir danken Dir Erhard für Deine Ideen, für Deine Zeit, die Du  uns schenkst. Dein Organisationstalent und richtungsweisende Ratschläge haben uns zu einer gut funktionierenden Ortsgruppe aufsteigen lassen. Wir werden im Herbst neue Lieder, die Du für uns ausgesucht hast, fleißig lernen…
Vielen Dank für alles und weiterhin viel Erfolg in Zukunft!


Geburtstag Jadzia Bagienska

Zwei Wochen später, am 28.September lud uns Kollegin Jadwiga Bagienska aus Hansfelde zu ihrem 62.Geburtstag ein. Obwohl die Busverbindungen nach Stargard leider nicht besser geworden sind, und nach dem Treffen bei der Minderheit Frau Bagienska immer noch  Probleme hat, nach Hause zurückzukommen, ist sie eines der aktivsten Mitglieder unserer Ortsgruppe. Im Namen aller Kollegen gratulierte der Vorsitzende Herr Piotr Nycz dem Geburtstagskind und wünschte Frau Bagienska noch viel Erfolg in unserem Kreis. 


Das III.Quartal 2018 war eine interessante Zeit im Leben unserer Ortsgruppe. Wir waren viel unterwegs, trafen alte und lernten neue Bekannte kennen, sahen neue, uns früher nicht bekannte Ortschaften. Auch unsere Geburtstagskinder kamen nicht zu kurz. Es war leider viel zu warm, aber gerade das konnten wir nicht beeinflussen. Da wir uns seit Anfang September erneut regelmäßig in unserer Begegnungsstätte treffen, überlegen wir uns gerade, welche Veranstaltungen wir noch in diesem Jahr organisieren wollen. Auf dem Programm stehen das Kartoffelfest, der Volkstrauertag und das Weihnachtsfest als Jahresabschluss.

Zum Schluss noch eine Entwarnung: Die meisten Straßenbauarbeiten, von denen wir in unserem Bericht für das I.Quartal informierten, wurden beendet. Sie brauchen also keine Umleitungen mehr zu nehmen und kommen wie gewohnt auf dem kürzesten, Ihnen vertrauten Weg direkt in die Stadt. Der imposant ausgebaute Kreisverkehr in Lindenberg ist nach mehreren Monaten Bauzeit fertiggestellt worden und erlaubt nunmehr einen flüssigen Straßenverkehr nach Stargard, Stettin und Moritzfelde. Auch der Kreisverkehr vor der Eisenbahnbrücke in der  Stettiner Straße ist endlich befahrbar und sorgt für eine spürbare Entlastung im Stadtzentrum. Kommen Sie also nach Stargard und überzeugen Sie sich selbst, wie das Stadtbild sich zum Besseren geändert hat.       

 

Piotr Nycz

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