Bericht über die Tätigkeiten und Veranstaltungen
der Deutschen Minderheit im III. Quartal 2017

Ortsgruppe Stargard

Stargard, den 1.7.2017

Nach dem ereignisreichen Frühling kam der Sommer mit seinen Sonnen- und Schattenseiten. Sommer 2017, vielleicht können Sie sich daran noch erinnern, war verregnet und dunkel. Die Wolken hingen tief und machten manche Pläne zunichte. Es ist ja kaum möglich zu grillen, wenn es tagelang regnet. Wer seinen Urlaub an der Ostsee genießen wollte, musste eher mit ausgedehnten Spaziergängen am Strand entlang als mit dem Sonnenbad vorliebnehmen. Aber wir hatten immer Glück, als wir auf die Reise gingen – die Sonne war unser ständiger Begleiter, und der Regen kam erst nach der Reise oder der Veranstaltung. Besonders viel ereignete sich im Juli und damit wollen wir jetzt anfangen:

Juli 2017

Am 01.Juli begab sich unsere Ortsgruppe nach Schneidemühl. Die dortige deutsche Minderheit feierte ihr 25-jähriges Bestehen und lud Gäste aus fern und nah ein, auch uns aus Stargard. Die Einladung kam nicht von ungefähr: Die Kollegen aus Schneidemühl nahmen an unserer Veranstaltung in Jakobshagen im Jahr 2016 teil, wo wir uns kennenlernen konnten, und es war mehr als selbstverständlich, ihnen einen Gegenbesuch endlich abzustatten, zumal der Anlass sehr wichtig war. 25 Jahre ist eine lange Zeit, eine ganze Generation ist in dieser Zeit geboren und erwachsen. Auch unsere Ortsgruppe wurde Anfang der 90er gegründet und existiert ununterbrochen bis heute. Und Frau Erika Baturo, Mitbegründerin unserer Ortsgruppe mit dem Mitgliedsausweis Nr.1 ist immer noch unser Mitglied!

Besuch in Schneidemühl

Besuch in Schneidemühl

Aber ich wollte eigentlich über unseren Besuch in Schneidemühl berichten. Obwohl die Entfernung nach dort nicht allzu groß ist und man etwa 2,5 Stunden braucht, um sie zu bewältigen, brachen wir sehr früh auf. Wir wollten unterwegs eine Pause bei Deutsch Krone einlegen und dem Zauber des Magischen Berges auf den Grund gehen. Dort sollen Autos bergauf rollen, erzählen die Augenzeugen. Also machten wir dort auf einem Waldparkplatz halt und bewaffnet mit einer Wasserwaage versuchten wir des Rätsels Lösung zu finden. Was soll man dazu sagen? Wenn man seinen Augen trauen will, rollen die Autos, Mineralwasserflaschen, Fußbälle tatsächlich bergauf. Da die Messung mit der Wasserwage kein eindeutiges Ergebnis lieferte, wissen wir bis heute nicht, ob es sich um eine optische Täuschung handelt oder ob der Berg wirklich verzaubert ist. Am besten fahren Sie selber dort hin und überzeugen Sie sich selbst. Vielleicht werden Sie derjenige sein, der das Geheimnis des Zauberberges bei Deutsch Krone lüftet…

Besuch in Schneidemühl

Erhard Grünbauer überreicht Edwin Kemnitz ein Geschenk aus Stargard

Nach dem kleinen wissenschaftlichen Zwischenspiel kamen wir pünktlich in Schneidemühl an und nahmen an einem offiziellen Akt in einer repräsentativen Stadthalle teil. Dabei konnten wir unseren Kollegen ein kleines Geschenk aus Stargard überreichen. Danach gab es noch einen Empfang in dem in der Nähe gelegenen Hotel, wo wir uns mit zahlreich gekommenen Kollegen von anderen Ortsgruppen treffen und unterhalten konnten. Die Zeit verging schnell, viel zu schnell möchte man sagen, und als es dunkel zu werden begann, mussten wir uns auf die Heimreise machen. Die eintägige Fahrt nach Schneidemühl diente der Vertiefung und der Belebung unserer Kontakte mit anderen Gruppen der deutschen Minderheit in der Region. Zu erwähnen wäre noch, dass alle Reisekosten der Verband der deutschen Minderheiten (VDK) aus Oppeln übernommen hat. Unsere Schulung in Stettin im Mai, über die ich zuletzt berichtete, brachte also greifbare Ergebnisse: nachdem wir ein entsprechendes Projekt geschrieben, eingereicht und gebilligt bekommen hatten, war es möglich einen kostendeckenden Zuschuss zu bekommen. Dieser Erfolg ermunterte uns, später noch einmal ein Projekt (Jakobshagen) durchzuführen.


Geburtstag Urszula Janik

Geburtstag Urszula Janik

Am 07.Juli feierte unsere Kollegin Frau Urszula Janik ihren Geburtstag. Sie zählt zu jenen fleißigen Frauen, die bei jeder Veranstaltung dabei sind und für den reibungslosen Ablauf sorgen. Ohne ihre ehrenamtliche Hilfe wäre vieles nicht möglich gewesen. Der Vorsitzende gratulierte Frau Janik und wünschte ihr viel Gesundheit und Erfolg bei der Arbeit für unsere Ortsgruppe. Fühlen Sie sich wohl bei uns und stehen Sie uns zur Seite – auf Ihre Hilfe sind wir angewiesen!


Gleich am nächsten Tag, dem 08.Juli feierten wir zusammen mit den Gästen aus Deutschland (unter Führung von Herrn Horst Born) und Vertretern anderer deutscher Minderheiten aus der Region ein traditionelles Sommerfest in Jakobshagen. Ähnlich wie die Fahrt nach Schneidemühl führten wir diese Veranstaltung als das sogenannte Projekt zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Ortsgruppen der Deutschen Minderheit sowie zur Erkundung der Lokalgeschichte durch. Auch in diesem Fall wurden wir vom VDK Oppeln unterstützt, der die Buskosten übernommen hatte. Es lohnt sich also, Projekte zu schreiben und durchzuführen, denn sie nutzen der Minderheit und den Menschen. Der einzige Nachteil: Sie sind leider mit einem erheblichem Verwaltungsaufwand und viel Büroarbeit verbunden – manchmal verbringt man mehr Stunden am Schreibtisch als im Bus und bei der Veranstaltung zusammen.

Gedenkstätte in Marienfließ

Gedenkstein in der Klosteranlage Marienfließ

Um die Vorlagen für unser Projekt zu erfüllen, kamen wir mit dem angemieteten Bus also nicht direkt nach Jakobshagen, sondern besuchten wir unterwegs einige Ortschaften, die für die Geschichte des Kreises Saatzig von Bedeutung waren. Wir waren in Marienfließ (Klosteranlage), Rehwinkel (Kirche) und natürlich in Saatzig (Namensgeber), wo wir in jeder erwähnten Ortschaft die Deutsche Gedenkstätte besuchten. Die meisten von uns waren bei den Einweihungen, und es war sehr erfreulich feststellen zu dürfen, dass die Gedenkstätten nach so vielen Jahren immer noch in gutem Pflegezustand sind. Unser Dank geht an diejenigen, die dort für Ordnung und Blumen sorgen. Als Zeichen unserer Verbundenheit hinterließen wir an jeder Gedenkstätte ein Grablicht, auch an dem großen Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Jakobshagen, das der vierte und letzte an diesem Tag von uns besuchte Gedenkort war. Nachdem wir unser landeskundliches Programm absolviert hatten, konnten wir mit gutem Gewissen an der Veranstaltung im Stadtpark in Jakobshagen teilnehmen.

Fest in Jakobshagen

Sommerfest in Jakobshagen

Es war eine wie immer sehr gelungene Veranstaltung, auf der wir in Erfahrungsaustausch mit anderen Ortsgruppen getreten waren. Es wurde viel gelacht, gesungen und getanzt, zumal das Wetter es gut mit uns meinte und uns die Sonne schenkte. An dieser Stelle bedanken wir uns bei den deutschen Freunden für finanzielle Unterstützung, die solches Treffen in Jakobshagen überhaupt möglich gemacht hat und bei dem polnischen Verein „Die Goldene Kralle“, dessen Team die Organisation vor Ort übernommen und wie nicht anders zu erwarten beispielhaft gemeistert hat.


Geburtstag Max Gunsch

Geburtstag Max Gunsch

Kaum haben wir uns von beiden auswärtigen Veranstaltungen erholt, kam die nächste Geburtstagsfeier auf uns. Am 14.Juli feierte Herr Max Gunsch seinen Geburtstag im Kreis unserer deutschen Minderheit. Wir gratulierten unserem Kollegen und wünschten ihm noch viel Spaß bei der Arbeit für unsere Ortsgruppe. Bei Kaffee und Kuchen erzählte Herr Gunsch über seine zahlreiche Reisen durch die Welt und brachte uns Südeuropa näher. Er ist auch ein leidenschaftlicher Radfahrer und erkundet mit seinem Rad Stargard und Umgebung (im Radius von bis 50 km).


Besuch Achim Marquart

Besuch Achim Marquart

Am 21.Juli besuchte Herr Achim Marquart Stargard und bei Gelegenheit auch unsere Begegnungsstätte in der Garbe Straße. Wir konnten uns über Stargard von damals und heute unterhalten und zahlreiche Fragen unseres Gastes beantworten. Wir hoffen, dass Herr Marquart seinen Besuch bei uns in guter Erinnerung behält und bei nächster Gelegenheit wieder bei uns vorbeischaut.


Geburtstag Jadwiga und Daniel Buda

Geburtstag Jadwiga und Daniel Buda

Am 28.Juli fand eine besondere Feierlichkeit in unserer Begegnungsstätte statt: Der gemeinsame Geburtstag unseres Vorsitzenden Herr Daniel Buda und seiner Frau Jadwiga. Die Eheleute Buda sind tatsächlich am selben Tag (auch wenn die Jahreszahl verschieden ist) geboren. Außerdem feirten sie in diesem Jahr ihren 50.Hochzeitstag. Im Namen fast vollzählig angekommener Mitglieder gratulierte Herr Piotr Nycz dem Ehepaar Buda und wünschte ihm weiterhin viel Spaß und Erfolg bei der ehrenamtlichen Arbeit für die deutsche Minderheit. Bei Kaffee und Kuchen unterhielten sich unsere Mitglieder über verschiedene Themen und besprachen Pläne für kommende Monate. Wir konnten nicht ahnen, dass das ein letztes Treffen in diesem Kreise ist und dass wir schon bald unseren Vorsitzenden verlieren werden. Darüber werde ich ausführlich informieren im Bericht für das IV.Quartal.

Nach den zahlreichen Veranstaltungen im Juli kam die Sommerpause, während der unser Büro geschlossen blieb.


August 2017

Wie gesagt, im August legten wir eine Sommerpause ein und stellten offizielle Tätigkeiten fast vollkommen ein. Viele waren verreist oder irgendwie anders beschäftigt, und auf den allgemeinen Wunsch unserer Kollegen beschlossen wir zwei Sachen. Erstens: für den ganzen August das Büro zu schließen (trotzdem arbeitete der Vorstand weiter und kümmerte sich um laufende Angelegenheiten). Zweitens: nach der Sommerpause d.h. ab September uns nur einmal wöchentlich, und zwar freitags zu treffen. Vielen Mitgliedern wird es mit dem steigenden Alter nämlich zu anstrengend, zweimal in der Woche die Begegnungsstätte zu besuchen. Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten…

Residenz Parsow

Besuch der Residenz in Parsow

Der Verfasser dieser Zeilen nutzte die Zeit und machte im August kurzen Urlaub in Hinterpommern, diesmal im Raum Köslin-Belgard. In 6 Tagen besuchte er 28 Ortschaften, von denen zu erwähnen wären: Bublitz, Viartlum, Reinfeld, Bartin, Groß Tychow, Kieckow, Bad Polzin, Streckenthin, Köslin, Belgard und Parsow. Sie, liebe Leser als Pommernkenner werden sicher wissen, warum ich gerade diese Ortschaften genannt habe – jede steht in einem historisch relevanten Zusammenhang. Besonders beeindruckend wirkte Parsow – wer hätte schon gedacht, in einem vernachlässigten Dorf eine imposante Residenz derer von Gerlach, dazu noch im guten Bauzustand (ich sah dort Restauratoren aus Thorn, die gerade die Patronatskirche instand setzten), zu finden? Mein besonderer Dank geht an die „Pommersche Zeitung“, die mit den Reiseberichten der Heimatreisenden über den ehemaligen Kreis Belgard mich auf die Idee gebracht hat, wahre Perlen der Architektur (Herren- und Gutshäuser) in Augenschein zu nehmen.


September 2017

Geburtstag Erhard Grünbauer

Geburtstag Erhard Grünbauer

Den neuen Monat begannen wir mit dem Geburtstag von Herrn Erhard Grünbauer am 15.September. Wir gratulierten dem um die Minderheit verdienten Kollegen und wünschten ihm noch viel Erfolg bei seinem ehrenamtlichen Engagement für die deutsche Minderheit in Stargard. Wir danken Dir Erhard für Deine Ideen und Deinen unermüdlichen Einsatz, durch den wir uns zu der aktivsten Ortsgruppe der deutschen Minderheit in der Region entwickelt haben. Dein Organisationstalent und gute Ratschläge sind inzwischen unentbehrlich geworden. Vielen Dank für alles!


Geburtstag Jadwiga Bagienska

Geburtstag Jadwiga Badienska

Eine Woche später, am 22.September lud uns Kollegin Jadwiga Bagienska aus Hansfelde zu ihrem Geburtstag ein. Obwohl Frau Bagienska mit dem Bus nach Stargard kommen muss, und nach dem Treffen bei der Minderheit oft Probleme hat, nach Hause zurückzukommen, zählt sie zu den aktivsten Mitgliedern unserer Ortsgruppe. Im Namen aller Kollegen gratulierte der Vorsitzende Herr Daniel Buda dem Geburtstagskind und wünschte Frau Bagienska noch viel Erfolg in unserem Kreis (und bessere Busverbindungen!).


Kartoffelfest

Kartoffelfest

Am 29.September fand unser traditionelles „Kartoffelfest“ statt, das mit entsprechenden Dekorationen an den nahenden „Tag der Deutschen Einheit“ anknüpfte. Während Kollege Piotr Nycz einen Vortrag über den Kartoffelanbau in Preußen und Pommern hielt, schmückten mit deutschen Bundesfahnen verzierte echte pommersche Kartoffeln aus Hansfelde die Tische. Der zum 03.Oktober gespannte Bogen war für jeden eindeutig… Wir konnten also das Nützliche (Erweiterung der geistigen Horizonte) mit dem Angenehmen (Verspeisen von Kartoffeln in jeder Gestalt) verbinden. Bei verschiedenen Kartoffelspeisen diskutierten später unsere Mitglieder über ihre persönlichen Erfahrungen mit der politischen Wende 1989 und ihren Folgen für sie und ihre Familien.

Mit dem Kartoffelfest ging die Sommerzeit bei uns zu Ende. Jetzt wurde es von Tag zu Tag immer herbstlicher: die Tage wurden immer kürzer und die Natur begann sich zurückzuziehen.


Das III.Quartal war wieder eine erfolgreiche Zeit im Leben unserer Ortsgruppe. Auf den anstrengenden Juli folgte der Ruhemonat August, aber generell herrschte keine Stillzeit bei uns. Wir unternahmen Fahrten zu anderen deutschen Minderheiten, betreuten zahlreiche Gäste aus Deutschland, feierten Geburtstage unserer Kollegen. Und am wichtigsten: Es gibt uns, die deutsche Minderheit in Stargard nach wie vor!

Auch im IV.Quartal wollen wir auf dem Erfolgskurs bleiben und das Jahr mit einer gutbesuchten Weihnachtsfeier abschließen. Mehr darüber im nächsten Bericht, der schon bald zu lesen sein wird. Wir werden aber auch über traurige Ereignisse berichten müssen. Was passiert ist, erfahren Sie in Kürze. Bleiben Sie uns treu und bis zum nächsten Mal!


Piotr Nycz

zurück zum Inhaltsverzeichnis