Oberrealschule

Vereinigung ehem. Ober(real)schüler zu Stargard in Pommern

Dezember 2005

20. Rundschreiben
[19. Rundschreiben Dezember 2004]

Liebe ehemalige Ober(real)schüler, liebe Schulfreunde!

Wie bereits vor einem Jahr angekündigt ist das jetzt vorliegende Rundschreiben das letzte, das wir herausgeben. Erst nach langen Überlegungen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen, denn einerseits hatte uns die Arbeit an dieser Schrift als Rückblick auf unsere Schulzeit, als freundschaftliche Verbindung zu ehemaligen Mitschülern und als Erinnerung an Stargard -Pommern viel Freude bereitet; andererseits mussten wir in den letzten Jahren erkennen, dass unsere Schaffenskraft nicht unbegrenzt ist [Geburtsjahrgänge 1925 bis 1927 des Vorstandes] und dass es ratsam sei, rechtzeitig ohne äussere Zwänge unsere Tätigkeit abzuschließen.

Oberrealschule Gebäude

Unsere Schule vor dem Jahre 1900

Mit diesem Abschluss ist leider auch das Ende unserer „Vereinigung ehemaliger Oberrealschüler zu Stargard in Pommern" gekommen. Aus Altersgründen hat sich niemand mehr bereit erklärt, diese Arbeit fortzusetzen. Wir wussten schon längst, dass die Vereinigung ohne Nachwuchs einem auslaufenden Modell glich. Nun sind wir an dem Punkt angelangt, an dem es sich lohnt, noch einmal Rückschau zu halten.

Am 12. September 1920, also knapp zwei Jahre nach Beendigung des 1. Weltkrieges, fand sich eine Gruppe ehemaliger Schüler unter dem Vorsitz des Postinspektors Ernst Richard Falk zusammen und gründete den „Verein ehemaliger Stargarder Realschüler". Die Namengebung bezog sich auf die von 1897 bis 1908 bestehende Realschule, aber noch nicht auf die folgende Oberrealschule. Der Zusammenschluss hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das geistige Band, das die ehemaligen Schüler mit der Schule verband, zu erhalten. Gewiss stand auch der Beweggrund dahinter, die Schicksale der im 1. Weltkrieg gefallenen oder verschollenen Klassenkameraden zu erfahren. Als einziges Zeugnis der Vereinsarbeit ist uns lediglich ein Exemplar des Mitteilungsblattes „Die Treue" vom Dezember 1929 erhalten geblieben.

Am 2. und 3. September 1933 feierte man ein letztes Mal das Stiftungsfest und im folgenden Jahr beschlossen die Mitglieder, den Verein selbst aufzulösen, weil sie nicht bereit waren, der nationalsozialistischen Gleichschaltung zuzustimmen. Einer Neugründung nach dem Kriegsende 1945 stand vieles entgegen, sei es das Zerreißen früherer Verbindungen durch Flucht und Vertreibung, sei es die wirtschaftliche Not, die jeden zwang, zunächst sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen.

Oberrealschule Standort

Standort der Oberrealschule

Es war das Verdienst der schon sehr früh gegründeten landsmannschaftlichen Verbände, dass sie mit dem Bezug auf Herkunftsgebiete mit westdeutschen Städten Patenschaften eingingen, dort Treffen veranstalteten und ein neues Netz heimatlicher Verbindungen schufen. In unserem Falle war es die Patenstadt Elmshorn, wo im Rahmen der Heimatkreisausschusses der bekannte Stargarder und ehemalige Gymnasiast Joachim Stampa, eine erste Liste ehemaliger Oberrealschüler aufstellte. Seine dritte Liste aus dem Jahre 1967 ist noch in unserem Archiv vorhanden. Ein Jahr später übergab er seine begonnene Arbeit an die früheren Oberrealschüler Dr. jur. Willi Seidel (1. Vorsitzender) und Konrad Maelger (Kassenwart), die sie kommissarisch ohne eindeutige Namensnennung der Vereinigung weiterführten.

Von Treffen zu Treffen, die in zweijährigem Abstand erfolgten, kamen immer mehr Ehemalige in die Patenstadt Elmshorn, unter ihnen einige, die schon dem Realschülerverein angehört hatten und in der Mehrzahl jüngere Jahrgänge, die sich angesprochen fühlten. Sie alle trugen im Laufe von zwei Jahrzehnten dazu bei, eine Vereinigung entstehen lassen, die sich 1987 den Namen gab: „Vereinigung ehemaliger Ober(real)schüler zu Stargard in Pommern".

Zuvor war durch Spenden und Beiträge ein kleines aber beachtliches Archiv zusammengekommen, das neben umfangreichen Namenslisten mit Anschriften und Personendaten, mehrere Alben mit Fotografien von Lehrern und Schülern, Erlebnisberichte, sowie Schulprogramme von 1879 bis 1915 und von 1924 bis 1939 enthielt. An Hand dieser Unterlagen konnte der zeitweilige 1. Vorsitzende Ewald Wegner 1983 und 1985 in zwei Auflagen eine 198seitige, gut bebilderte Broschüre unter der Überschrift „Die Oberrealschule zu Stargard in Pommern" herausgeben. Beide Auflagen sind restlos bis auf die Archivexemplare vergriffen.

Der mit dem 9. September 1989 gewählte Vorstand setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Alfred Schwichtenberg 1. Vorsitzender Abiturjahrgang 1944
Eberhard Steinborn 2. Vorsitzender Abiturjahrgang 1933
Hans Hoffmann Schriftführer  Abiturjahrgang 1945
Horst Wesenick  Kassenwart Abiturjahrgang 1936
Werner Holtz Archivwart  Abiturjahrgang 1942
Willi Döring  Gegenwartsdokumentation Abiturjahrgang 1931

Wir waren stets bemüht, die Vereinsarbeit im Sinne unserer Vorgänger fortzusetzen, nämlich nach den substantiellen und geistigen Verlusten der Vergangenheit noch manches zu bewahren und unerfreulichen Zeiterscheinungen zu widersprechen. Ob uns das mit der jährlichen Ausgabe eines Rundbriefes in genügendem Maße gelungen ist, überlassen wir dem Urteil unserer Leser. Diese Arbeit ist großenteils nur möglich gewesen durch die von unseren Vorgängern geschaffenen Voraussetzungen und darum gilt ihnen unser Dank, indem wir ihrer noch einmal namentlich gedenken. Hinzu kommen aber auch diejenigen Mitarbeiter/innen , die bis heute dazu beigetragen haben, alle 20 Rundschreiben bis zur Druckreife auszuarbeiten.

Joachim Stampa   Peter - Gröning - Gymnasium
Karl Laury 1. Vorsitzender - Oberrealschule
Willi Seidel 1. Vorsitzender - Oberrealschule
Ewald Wegener 1. Vorsitzender - Oberrealschule
Egbert Hakelberg 1. Vorsitzender.- Oberrealschule
Konrad Maegler Kassenwart
Fritz Lück 2. Vorsitzender
Wanny Lück geb. Knade Schreibkraft
Harry Jenrich  
Kurt Rosentreter  
Rudolf Wendt  
Ingrid Schwichtenberg Schreibkraft
Irene Fischer, BdV Weidenau Schreibkraft

Jeder Abschied wird von zwiespältigen Gefühlen begleitet. Es ist ein zögerliches Loslassen und gleichzeitig der erste Schritt in eine unbestimmte Zukunft Wir wollen dabei im Augenblick des Abwendens ein Lächeln nicht vergessen.

Der letzte, jetzt scheidende Vorstand:

Alfred Schwichtenberg 1.Vorsitzender seit 9.9.1989
Hans Jürgen Voeltz 2. Vorsitzender seit 21.9.1991
Hans Hoffmann Schriftführer seit 9.9.1989
  sowie Archiv seit 21.9.1991
Carl Albert Boetzel Kassenwart seit 21.9.1991

PS: Über den Verbleib des Archivs unserer ehemaligen Oberrealschule zu Stargard in Pommern und über die Kasse erfolgt nach Abschluss aller Formalitäten ein kurzer Bericht. Wir beabsichtigen, das nicht verbrauchte Guthaben der „Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung" in Berlin, Warschauer Straße 34-38, zu übergeben, die sich bereit erklärt hat, unser Archiv zu übernehmen.


15. Rundschreiben

Dezember 2000

Unsere Schule im Jahre 1911/1912

von Hans Hoffmann

Blättert man in den Jahresberichten unserer Schule, auch Programme genannt, der Zeit um 1900, dann stellt man fest, dass bis zur Eröffnung der Städtischen Oberrealschule zu Stargard in Pommern ein langer und mühevoller Weg zurückzulegen war. Dem damals amtierenden Rektor Julius Rohleder wurde sehr viel Ausdauer und Beständigkeit abverlangt, um das von ihm angestrebte Ziel zum Wohle seiner Schüler zu erreichen.

Das aus der höheren Bürgerschule hervorgegangene und von 1883 bis 1896 bestehende Realprogymnasium mit seiner besonderen Wertung des Lateinunterrichtes - ab Sexta acht, und in Sekunda fünf Wochenstunden - soll den seinerzeitigen Erfordernissen des Staates, der Industrie sowie des Handels nach einer praxisbezogenen Schulbildung nicht mehr entsprochen haben. Man drängte zur reformierten, lateinlosen höheren Schule mit Berücksichtigung der modernen Sprachen Englisch und Französisch sowie der naturwissenschaftlichen Fächer wie Mathematik, Physik und Chemie. In dieser Richtung wurden die Weichen durch Revision der preußischen Lehrpläne und Prüfungsordnungen im Jahre 1892 gestellt.

Oberrealschule Lehrer

Lehrerkollegium - Die Besprechung erfolgt aus der Sicht des Betrachters

Jedoch in Stargard ließen sich diese Beschlüsse nicht ohne Schwierigkeiten und organisatorische Umwege verwirklichen. Es musste vielmehr das Progymnasium auf eine Realschule zurückgestuft werden. Erst 1908 waren dann die Vorbereitungen, die Finanzierung, die Räumlichkeiten und die Zustimmung des Magistrats so weit gediehen, dass zunächst der Schule eine Obersekunda (OII) und später eine Unterprima (UI) hinzugefügt werden konnten.

Zu Ostern 1911 verließen erstmals sechs Abiturienten die Oberrealschule und ihnen folgten weitere drei zu Michaelis den 29. September gleichen Jahres. In diesem Sinne wird der Namenstag Michaelis (St. Michael) des öfteren genannt, ebenso als Beginn des Winterhalbjahres und als Eintrittsdatum neuer Lehrer.

Der Beginn einer neuen Schulepoche gewann zusätzlich an Bedeutung durch die gleichzeitig erfolgte Verabschiedung des verdienstvollen Direktors Julius Rohleder und die Amtseinführung des neuen Direktors Dr. Rudolf Erzgraeber. Für die damals Beteiligten war es gewiss ein denkwürdiger Tag. Das spürt man heute noch aus dem entsprechenden Bericht, dessen erste Abschnitte wir hier wiedergeben.

III. Chronik der Anstalt 1911/12

„Am 31. März brachten die Schüler der Anstalt ihrem scheidenden Direktor, Herrn Julius Rohleder. einen glänzenden Fackelzug. Am letzten Schultage versammelten sie sich mit ihm und sämtlichen Lehrern der Anstalt in der Aula. Hier erschien auch Herr Erster Bürgermeister Kolbe und dankte dem scheidenden Direktor in anerkennenden Worten für die treuen Dienste, die er 26 Jahre lang als Leiter der Anstalt der Schule und der Stadt in denselben Räumen geleistet hatte, in denen er schon als Knabe zu den Füßen seiner Lehrer geweilt hatte. Zum Schluss überreichte er ihm den von Sr. Majestät dem König verliehenen Roten Adlerorden. Mit bewegten Worten nahm sodann Direktor Rohleder Abschied von seinen ehemaligen Schülern und von den Räumen der Anstalt, die zur bleibenden Erinnerung an seine langjährige gesegnete Lehrertätigkeit sein von der Stadt Stargard gestiftetes und vom Stargarder Maler Herrn Tetzlaff in Öl ausgeführtes Porträt schmückt. (...)"

Ergänzend zu dieser Chronik besitzen wir in unserem Archiv eine bräunlich vergilbte Photographie, von der wir hier eine Kopie einfügen und die wir aus verschiedenen Gründen, obwohl uns keine genaue Zeitangabe überliefert ist, auf das Jahr 1911 zurückdatieren. Schon bei der ersten flüchtigen Betrachtung entdecken wir die uns noch bekannten Studienräte Dr. Karl Roever und Christian Hofmann. Beide begannen ihre Lehrtätigkeit an unserer Schule im Jahr 1908 und zwar als sogenannte Oberlehrer. Ein früherer Zeitpunkt kommt für das Bild nicht in Frage.

Befinden wir uns hier auf Grund eigener Erinnerung noch auf festem Boden, so betreten wir im folgenden die ganz unsichere Annahme. Wir haben vier ehemalige Mitschüler befragt - Max Schmidt 93, Paul Hoffmann 91, Gerhard Ninnemann 87 und Franz Hoffmann 86. Wenn sie auch wesentlich zum Erkennen der abgebildeten Lehrer beigetragen haben, so sind ihre Aussagen nicht immer deckungsgleich. Auf jeden Fall wäre ohne ihre Mitarbeit die anschließende Untersuchung nicht möglich gewesen. Wir bedanken uns bei ihnen.

Einer von Ihnen versicherte uns, dass der in Bildmitte hinter dem Tisch sitzende Herr der Direktor Dr. Rudolf Erzgraeber sei. Schon von der Anordnung her ist das glaubhaft, und da dieser sein Amt zu Ostern 1911 antrat, haben wir einen weiteren Zeitpunkt erlangt. Wenn wir nun noch kühn behaupten, der zu seiner linken sitzende Herr mit grauem Bartwuchs (stets aus der Sicht des Bildbetrachters) könne der scheidende Direktor Julius Rohleder sein, dann nähern wir uns den Tagen jener bereits geschilderten Feierlichkeiten zu Beginn der Oberrealschule sowie der Amtsübergabe des Rektorats. Es ist denkbar, dass dieses Ereignis auch damals schon mit einer Photographie dokumentiert wurde, so wie es heute gang und gäbe ist.

Bevor wir in unserem Versuch fortfahren, die abgebildeten Lehrer namentlich festzustellen, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Direktor Dr. Erzgraeber von 1911 bis 1926 unsere Schule in Kriegs- und Nachkriegszeit weiterführte. Er starb nach schwerer Krankheit am 29. Juli 1926 im Alter von nur 52 Jahren.

Wir überspringen nun nach links den schon genannten Direktor Rohleder und begegnen nach Angabe unserer Mitschüler dem Gesangslehrer Bertold Beske. Er soll ein umgänglicher und gutherziger Mann gewesen sein, weswegen ihn seine Schüler "Papa Beske" nannten.

Wenden wir uns nun zur Rechten des Direktors Dr. Erzgraeber, dann erkennen wir sofort, wie schon eingangs bemerkt, den Oberlehrer Dr. Karl Roever in einem modisch hellen Anzug. Seine Gesichtszüge haben sich auch in späteren Jahren nicht wesentlich verändert. Er wirkte bis 1937 an unserer Schule und unterrichtete in den unteren Klassen in Rechnen und Erdkunde, in der Oberstufe auch in Chemie. Seine Strafform, einem auffällig gewordenen Schüler an die Wange zu knipsen, wirkte eher erheiternd denn abschreckend.

Ganz rechts, ebenfalls sitzend, begegnet uns ein Herr, auf den es nicht den geringsten Hinweis gibt. Seine Kleidung, ein langer, geschlossener Gehrock, weist ihn als Pastor oder zumindest als Theologen aus. Religion lehrte gemäß des Lehrstunden-Verteilungsplanes fast ausschließlich der Professor Karl Starke, der zeitweilig die Vertretung des erkrankten Direktors Rohleder übernommen hatte. Ob er es wirklich ist, müssen wir offen lassen. Nun zu den sieben Mitgliedern des Kollegiums, die der Photograph in zweiter Reihe stehend angeordnet hat. - Wir fahren fort von rechts nach links.

Der erste soll der Oberlehrer Max Huber sein, der Ostern 1911 als junger Mann seine neue Stellung als Turn- und Französischlehrer antrat. Ihm wird ein aufbrausendes Wesen nachgesagt, eine Eigenart, die ihm 1933 den vorzeitigen Ruhestand einbrachte. Er ließ sich von zwei Schülern mit einem Hitlerbild provozieren, was seinerzeit nicht ohne unangenehme Folgen bleiben konnte. Als geborener Pfälzer ist er dann in seine Heimat zurückgezogen.

An zweiter Stelle steht unverkennbar, wenn auch wesentlich jünger im Aussehen, der Oberlehrer Christian Hofmann, besser bekannt unter dem Spitznamen "Der Bott". Er und seine Schüler haben sich häufig gegenseitig das Leben schwer gemacht, aber während die Schüler kamen und gingen, blieb er von 1908 bis 1945, also 37 Jahre lang, viel geärgert doch unerschüttert an unserer Schule. Nachträglich: Alle Achtung!

Als dritter Mann folgt der Oberlehrer Georg Bendig. Zwar weist er hier noch nicht seine in späteren Jahren erreichte Körperfülle auf, doch unsere zuvor genannten Mitschüler erkannten ihn sofort und Archivbilder bestätigen deren Angabe. Sein bärenhaftes, etwas brummiges Wesen trug ihm den passenden Beinamen "Brummel" ein. Bei seinen Schülern war er gern gesehen, was nicht ausschloss, dass sie seine Eigenheiten belächelten und auch ausnutzten. Neben anderen markanten Redewendungen ist sein Ausspruch „kurz und bendig!" noch überliefert.

In Bildmitte, alle anderen Kollegen an Körpergröße überragend, erkennt einer unserer befragten Mitschüler den Professor Gustav Bothge, der erstmals 1884 als Probandus und ein Jahr später als Hilfslehrer geführt wurde. Seinen Namen findet man weiterhin regelmäßig, inzwischen aber befördert, bis 1915. Dann öffnet sich eine Lücke in unserem Archiv, nach der er nicht mehr verzeichnet wird. Ein anderer Mitschüler sieht in ihm den Zeichenlehrer Franz Böttcher, der erst 1930 krankheitsbedingt in den Ruhestand trat.

Diese beiden widersprüchlichen Aussagen lassen uns an das Ende unserer Bildbetrachtung gelangen, denn für die nachfolgenden Lehrer ergeben sich gar keine Anhaltspunkte mehr. Die Zeit hat jede Erinnerung an sie gelöscht.

Ein letzter Rückgriff auf den Lehrstunden-Verteilungsplan von 1911/12 bringt uns auch nicht weiter. Hier finden wir zwar noch die Namen des Oberlehrers Wilhelm Janisch, des Turnlehrers Paul Wilke und des Schreiblehrers Paul Renn, aber deren Zuordnung ist nicht mehr möglich.

Auf dem gleichen Verteilungsplan sind noch zwei Namen aufgeführt, von denen sich mit Sicherheit sagen lässt, dass sie nicht abgebildet sind. Es sind die Oberlehrer Hermann Goetze und Hermann Meinhold. Studienrat Goetze unterrichtete bis 1945 an unserer Schule. Er wäre nicht zu verkennen. Der Oberlehrer Meinhold war im Jahre 1911 erst 29 Jahre jung und ist als solcher in der Altherrenriege nicht auszumachen. Von ihm ist zu erwähnen, dass er bereits 1914 als Reserveleutnant am Marnekanal fiel. Seine Witwe war später mit Dr. Roever verheiratet.

Am Schluss dieser Bildbetrachtung stellt sich gewiss bei manchem die Frage nach deren Sinn und Zweck, handelt es sich doch um eine längst versunkene Welt. Das mag zutreffend sein, aber es ist interessant in alten Schriften zu stöbern, denn es ergeben sich manchmal unbekannte Zusammenhänge. Außerdem geht es uns darum, einem Archivbild durch Ermittlung der Personen und des Zeitpunktes einen Wert zu geben, der ohne jene fast auf Null absinkt. Vielleicht regt solche Untersuchung manchen Leser dazu an, seine persönlichen Bilder mit Hinweisen zu versehen, damit seine Nachkommen, heute noch ohne besonderes Interesse, einmal einen Leitfaden zur vergangenen Welt ihrer Eltern und Großeltern finden.


Die Oberrealschule wurde 1945 zerstört.

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