Von Stargard aus ins Krampehltal

Paul Schulz
(Aus: Der Kreis Saatzig und
die kreisfreie Stadt Stargard)

etwa 1940

Wir, einige Jugendliche, hatten an einem Sonnabendnachmittag Stargard mit der Eisenbahn angefahren und übernachteten hier in der Jugendherberge im Pyritzer Tor. Es war Frühjahr und in der Torstube, in der wir übernachteten, war es kühl; aber was macht das schon, wenn man jung ist. Stargard, das Rothenburg des Ostens, wie man es nennt, lockte immer zu einer Besichtigung, und so bummelten wir zum Walltor mit angrenzendem Wiekhaus - ein Fachwerkbau -, zuvor aber zur Marienkirche, wo wir eine Tür offen fanden und auf einer Kirchenbank im hochragenden Kirchenschiff einige Minuten verweilten. Dann zum Rathaus mit dem schön gezierten Giebel, weiter zum Mühlentor, das mit seinem Torbogen die Ihna überspannt, und zum Roten Meer, einem rundgebauten Turm, gegenüber den anderen, die eine quadratische und rechteckige Bauform hatten.

Nach einer mehr oder weniger gut verbrachten Nacht in der Torstube des Pyritzer Tores gingen wir am frühen Morgen in Richtung Zartzig zur Hammermühle. Zurückschauend den schönen Blick zu der das Stadtbild überragenden Marienkirche. In der Hammermühle wurde Rast gemacht und ein Rucksackfrühstück eingenommen, und dann begann die eigentliche Wanderung entlang des Krampehls. Links und rechts des Krampehls befand sich zunächst nur ein schmaler Waldstreifen, der sich, je weiter man geht, verbreiterte und hinter diesem befanden sich ausgedehnte Ländereien. Es war Frühling und auf den Feldern sprießte die junge Saat. Die Bäume schickten sich an, ihr hellgrünes Blätterkleid anzulegen. Am Feldrain ein lang ausgedehnter, üppig blühender Schlehdornbusch, dahinter einige schlanke, hochstämmige Birken, deren feines Geäst mit ihrem zartgrünen Blattwerk sich im Winde hin und her wiegten. Den Abschluss bildeten einige Fichten.

Der üppig blühende Schlehdornbusch, die hellen Birkenstämme mit ihrem feinen Geäst und zartgrünen Blättern und die dunkel anmutenden Fichten, ergaben einen schönen Farbkontrast, den die Natur uns zur Freude anbot. Und darüber spannte sich ein hellblauer Himmel mit kleinen weißen Wölkchen, wie Wattebäusche anzuschauen, die sich unbeschwert vom Wind dahintragen ließen.

Hier, wir befanden uns in der Gemarkung des Gutsdorfes Wulkow, mutete der Krampehl an wie ein Gebirgsbach. In seinem Bett lagen größere Steinblöcke, und plätschernd, gurgelnd, diese umspülend, floss er munter dahin. Er hatte hier breitere Ausmaße, und hier bot sich, wenn zwar bescheiden, Gelegenheit zum Baden, was auch geschah, denn es war ein Umkleidehäuschen, aus Brettern erstellt, vorhanden. Wir begnügten uns mit einem Fußbad, was seine Wirkung nicht verfehlte. Eine größere Grasfläche zum Tummeln und Lagern war auch vorhanden.

Nach einer kurzen, wohlbekömmlichen Rast setzten wir unseren Weg fort und dieser führte ansteigend, durch einen in einem aufgeschichteten Erdwall belassenen Eingang, in eine Mulde innerhalb des Waldgebietes. Die Dorfbewohner erzählten uns, dass im Mittelalter die Bauern hier ihr Vieh und sich selbst bei kriegerischen Überfällen in Sicherheit brachten. Der Waldweg war so weit angestiegen, dass man von einer etwa acht Meter hohen Anhöhe zum Krampehl herunter schaute. Ein ungeahnt schöner Anblick. Unten die schmalen Talsenken mit dem ruhig dahinfließenden Flüsschen und diesseits und gegenüber schöner Laubwald. Hier musste man unwillkürlich verweilen und den schönen Anblick auf sich wirken lassen.

Schloss Pansin

Wie mag sich wohl diese Talsenke gebildet haben? Beim Weiterwandern abwärts folgt ein breites Waldgebiet, das dann auch von einem schmalen, langgestreckten Wiesenteil unterbrochen wird. Es ging am Krampehl entlang durch ein schönes Waldgebiet, das erst kurz vor dem Ort Pansin aufhört. Pansin ist geprägt durch das Wasserschloss des Rittergutes, des Geschlechts derer von Puttkamer, der damaligen Gutsherrn. Der Schlosskomplex besteht im Alter und auch architektonisch in sich unterscheidenden Gebäuden aus dem ältesten Teil, ein quadratisch, wuchtig angelegtes, und nach oben in einem Rundbau - wie ich mich erinnere - endendes Turmverlies. Gleich anschließend ein im Barockstil erbauter Schlossteil und daran wieder anschließend das neuere, im gotischen Stil erbaute Schloss, das von der Gutsherrschaft bewohnt wurde. Vor dem gesamten Schlosskomplex führte ein Wassergraben parallel zur Dorfstraße. Im Schlosspark vor dem neuen gotischen Schlossbau lag ein Teich. Eine aus roten Backsteinen erbaute Kirche gehörte auch zu dem Ort, zu dem nicht nur die beim Gut beschäftigten Bewohner gehörten, sondern der auch freie Bauern beherbergte.

Der Karte entsprechend kommt der Krampehl aus Richtung Rossow, Neumühl, Pegelow-Dahlow, Pansin, Wulkow, Hammermühle und an Zartzig vorbei und mündet südlich, unweit von Stargard, in die Ihna.

Die Landkarte lässt sich umstellen von Satellit auf Karte und umgekehrt (oben links). Sie kann in 4 Richtungen verschoben werden. Gehen Sie mit der Maus auf die Marker ohne zu klicken, wird Ihnen der Ort und die Höhenlage angezeigt. Unten rechts können Sie den Maßstab verändern.

 

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