Wanderung zur Hammermühle

Dietrich Otto
dietrichotto@arcor.de

22.04.2013

Die überaus interessante Wasserlandschaft rings um Stargard mit Ihna, Fauler Ihna, Gestohlener Ihna, Großem und Kleinem Krampehl ist in Vergessenheit geraten, es gibt keine Markierung der Wanderwege. Teilweise sind diese nicht mehr begehbar. Die Ausflugslokale sind verschwunden.

Hammermühle vor 1945

Hammermühle vor 1945

Eine erste Anregung erhielt ich von Ernst Ganzke, der eine Wanderung zur Hammermühle zu Pfingsten 1939 beschreibt. Er spricht von der wundervollen Gaststätte "Hammermühle", am Großen Krampehl gelegen, die ihm schon von vielen Schulausflügen bekannt ist. Mit 2 Freunden startet er in Stargard, biegt von der Zartziger Straße gleich nach dem Ortsausgang nach links in einen Feldweg ab. Nach 6 km erreicht er mit seinen beiden Freunden die Hammermühle, wo an diesem Tag ein reger Verkehr herrscht.

Hammermühle Wandergruppe

von links: Danuta Grünbauer, Daniel Buda, Dietrich Otto

Eine zweite Anregung erhielt ich von Heinz-Jürgen Torff, der von dem Dorf Pansin aus mit einem kleinen Erkundungstrupp 1994 Richtung Zartzig startet. Zu seinen Wegbegleitern gehört auch Prof. Dr. Schwichtenberg, der sich in vielen Artikeln zu der Wasserlandschaft rund um Stargard geäußert hat. Es stellt sich heraus, dass es nicht möglich ist, überall direkt am Großen Krampehl zu laufen. Bei einem weiteren Versuch von dem Dorf Wulkow aus kämpfen sie sich durch ein Dickicht und stehen dann am Krampehl, der ruhig dahinfließt, die Bäume bilden ein Dach über ihm. Es scheint ihnen jedoch nicht ratsam, diese Wanderung wie geplant mit einer größeren Gruppe zu wiederholen.

Hammermühle Wandergruppe

von links: Daniel Buda, Danuta Grünbauer, Zdzislaw Kosikowski, Erhard Grünbauer

Unsere Wandergruppe besteht außer mir aus Danuta und Erhard Grünbauer und aus Daniel Buda, wohnhaft in Zartzig. Er als Bewohner von Zartzig gilt als Experte, was sich auch als richtig erweist, obwohl er uns anfangs irritiert. Alle 3 gehören zur deutschen Minderheit in Stargard. Ich hatte gedacht, wir werden auf der linken Seite des Krampehls laufen. Die ersten 300 m dieses Weges hatte ich vor 2 Jahren erkundet, ein schmaler, gut begehbarer Weg. Wir fahren aber mit dem Auto auf die andere Seite, das Auto wird bei einem befreundeten Ukrainer abgestellt. Nun überqueren wir ein Feld und erreichen den Krampehl. Dort kämpfen wir uns mühsam vorwärts und erkennen, dass wir auf diese Weise nicht die 3 km bis zu unserem Ziel zurücklegen können. Außerdem erfahren wir, dass eine Gasleitung quer zum Krampehl verlegt wird und dass man diese Baustelle wohl nur auf der nahegelegenen Chaussee passieren kann.

Auf der Chaussee kann man sehr gut laufen, keine Zweige peitschen uns mehr ins Gesicht. Aber die Sonne brennt unbarmherzig auf uns nieder, bei jeder Wegbiegung hoffen wir, unser Ziel zu erblicken. Rechts der Straße fließt der Krampehl, unsichtbar für uns. Ich bewundere die Kondition von Daniel Buda, der sich unentwegt mit Dana Grünbauer unterhält. Wir beiden anderen laufen wortlos dahin. Von dem in polnischer Sprache geführten Gespräch verstehen wir kein Wort. Wir wissen, dass von der Gaststätte "Hammermühle" nichts mehr übriggeblieben ist. Lediglich ein bewohntes Haus steht dort. Die Bewohnerin zeigt uns eine Quelle, an der wir unseren Durst stillen können. Hier gab es auch einmal ein kleines Kraftwerk, das über 1945 hinaus noch Strom produzierte.

Wanderroute von Zartzig (Strachocin) bis zur Hammermühle und Krampehlbrücke

Um den Verlauf des Großen Krampehls zu verfolgen, schalten Sie bitte auf dem Bild oben rechts von "Satellite" auf "Karte" um.

Doch nun geschieht ein kleines Wunder. In dieser einsamen Gegend nähert sich uns ein kleiner Lastwagen und ihm entsteigt unser Freund Zdzislaw Kosikowski, der Besitzer der beiden Hotels "Speicher" und "Kleine Mühle". Er muss es irgendwie mitbekommen haben, dass wir diesen Ausflug geplant haben. Da beginnt bei uns die Hoffnung zu keimen, dass uns der Rückweg in der Sonne erspart bleibt. Er kann uns allerdings nicht auf der offenen Ladefläche mitnehmen. Doch das Problem ist lösbar. Mit Handy ruft er seinen Sohn mit Auto herbei.

Großer Krampehl

von der Krampehlbrücke Blick flussaufwärts, links der Abzweig des Mühlbachs, der teilweise verlandet ist.

Doch vorerst gehen wir noch 100 m weiter und erreichen die Krampehlbrücke. Der Blick von der Brücke entschädigt uns für alle Mühen. Es gibt hier eine kleine Stromschnelle und dahinter erweitert sich der Krampehl für etwa 30 m mit einer Ausbuchtung nach rechts. Das muss die Badestelle sein, die Ernst Ganzke bei seinem Himmelfahrtsausflug erwähnt hat.

Großer Krampehl

von der Krampehlbrücke Blick flussabwärts

Während die 3 anderen mit dem Auto des Sohns zurückfahren, steige ich in den Lastwagen ein, wir fahren über die Brücke noch einen Kilometer weiter und besichtigen das Dorf Karolinenthal. Anschließend treffen wir uns im "Speicher" und erholen uns bei Kaffee und Kuchen. Dieser Ausflug ist ganz anders verlaufen als geplant, aber es war ein schönes Erlebnis für uns, das wir nicht so schnell vergessen werden. In meinem Bemühen, die Flusslandschaft um Stargard zu ergründen, bin ich wieder einen Schritt weiter gekommen.

Großer Krampehl

Dickicht am Krampehl

Fotos und Landkarten von Erhard Grünbauer und Dietrich Otto

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