Stargard -Treffpunkt mittelalterlicher Wege

Dr. M. Hasenjäger
(Aus: Pommern-Brief, August 1954)

Schon zu den Römerzeiten kamen Kaufleute in das pommersche Gebiet, die ihre Waren feilboten und dafür den begehrten Bernstein eintauschten. Auch in unserem Stargarder Heimatmuseum hatten wir alte römische Münzen, die in der näheren Umgebung gefunden wurden. Von den deutschen Ansiedlern, die ins Pommernland einwanderten und dem Verlauf ihrer Wanderwege erfahren wir aus Urkunden. Da wird hier eine via publica, eine via regia, dort ein Steinweg oder ein Volksweg genannt. Befestigungen zur Sicherung und Beobachtung dieser Wege wurden errichtet.

Soweit uns nicht Urkunden unterrichten, helfen vielfach Flurnamen weiter, die in irgendeiner Beziehung zu den Wegen stehen. Für unsere Heimat hat der Altmeister der Volks- und Flurnamenkunde, Geheimrat Robert Holsten (als Pädagoge und Wissenschaftler wirkte er in Stargard) in einem Aufsatz „Alte Wege und Mundarten in Pommern" eine Zusammenstellung veröffentlicht. Daraus entnehmen wir: Von der Mark Brandenburg über Königsberg i. N. und Paß an der Plöne verläuft nach Stargard der Loth-Weg, der älteste bekannte Weg in der Provinz. In Stargard findet dieser Weg meine Fortsetzung durch die Stargardensis, die Stargarder Straße, die nach einer Urkunde von 1314 Richtung Gollnow durch den Naugarder Kreis nach Norden geht und über Greifenberg, Treptow a. R. und Kolberg das Meer erreicht. Diese Süd-Nordlinie kreuzt ein West-Ostweg: von Stralsund über Ueckermünde nach Stettin als via regia; heute würden wir Heerstraße sagen; weiter über Altdamm, Stargard und im Kreis Dramburg findet dieser Weg Anschluss an die Via marchionis, den Markgrafenweg. Beide Hauptverkehrswege schneiden sich an der Ihna bei Stargard. Es mag daher nicht abwegig sein, wenn behauptet wird, dass man in Stargard einen ältesten Wohnsitz der Pommernherzöge zu sehen hätte.

Das sind die alten Hauptwanderwege, die die Einwanderer nach West- und Mittelpommern benutzen konnten. Aus welchen Gegenden kamen nun unsere Vorfahren in das Neuland? Die Markgrafen von Brandenburg waren bemüht, ihr Land nach Pommern zu erweitern. Aus der Altmark holten sie dort bereits ansässig gewordene Westdeutsche heran und besetzten ein Gebiet zu beiden Seiten der Oder bis ans Meer. Die Pommernherzöge veranlassten westdeutsche Siedler, über Lübeck und Mecklenburg nach Pommern zu kommen und das Land in Kultur zu bringen. Der Bischof und die Klöster legten neue Ortschaften an. Es siedelten Ritter aus dem Westen, denen größere Ländereien zugewiesen wurden. Ihnen folgten die Bauern aus der alten Heimat nach. So entstanden neue Dörfer, vielfach mit den Namen der Heimatgemeinden

Westliche Kultur breitete sich aus und förderte die Entwicklung des Landes. Meist hören wir von der Begeisterung der Jugend, die nach Ostland wanderte. Von der Trauer der zurückbleibenden Eltern erzählt die Sage vom Rattenfänger zu Hameln, der als Werber 130 Stadtkinder in die Fremde führte, und es kehrte niemand zurück. An der Ihna kreuzten sich die erwähnten Fernverkehrswege. Wenn wir die alten Wege zurückwandern, die unsere Heimat mit dem Westen verbinden, wissen sie vieles zu erzählen.

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Als Ergänzung sei auf den Artikel von Dr. Ludwig Biewer "Kurze Geschichte Pommerns" Kapitel 3 "Die deutsche Besiedlung Pommerns" hingewiesen. Die Landkarte ist diesem Artikel entnommen.

 

Deutsche Besiedlung Pommerns

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