Von Denkmälern und Erinnerungssteinen

Aus "Erinnerungen an Stargard in Pommern"
von Heinz-Jürgen Torff - 2009
Kontakt: Ursel Torff, Mörlerstr. 18, 61169 Friedberg

Die Stadt Stargard in Pommern, früher auch das Nordische Nürnberg genannt, hatte Ehrendenkmäler, Gedenksteine und -tafeln sowie viele Erinnerungsbäume mit historischem Charakter. Neben ihren Stadtbauten, den Türmen, Stadttoren, alten wehrhaften Stadtmauern und ihren acht Kirchen an Traditionen und nennenswerten geschichtlichen Erinnerungen gab es noch vieles mehr zu bieten, was auch des Erwähnens wichtig war und für viele Menschen heute noch ist. Es ist einfach zu schade und geschichtlich nicht verantwortlich, dieses in Vergessenheit geraten zu lassen, worauf unsere Vorfahren und die Stadtväter einst sehr stolz waren.

Blücher Denkmal

Blücherdenkmal von 1873,
von den Offizieren der Stargarder Garnison gestiftet

Als eine der ältesten pommersche Garnisonsstadt beherbergte Stargard in seinen Mauern prominente Regimenter mit berühmten und hochdekorierten Kommandeuren, Feldherren, preußischen Königen und Königinnen, sowie den deutschen Kaiser Wilhelm II. mit seiner Kaiserin Viktoria und Gefolge. Sie alle waren Gäste der Stadt in friedlichen, aber auch politisch schwierigen Zeiten.

Zu deren Andenken, aber oft auch als dankenswerte Erinnerung, hat die Stadt nicht nur ihre Straßen und Plätze benannt, Ehrenbürgerschaften verliehen und Gedenktafeln angebracht. Denkmäler und Erinnerungsbäume sollten für Stargard's künftige Generationen ein Stück Tradition und Mahnung an außergewöhnliche Ereignisse und Personen sein.

Mitten in der Stadt, zwischen dem Eisturm und der Blücherstraße, trafen wir auf den mit gärtnerischen Anlagen versehenen Blücherplatz. Hier in dem ehemaligen, jetzt in einen Promenadenplatz umgewandelten alten Exerziergarten, nahe dem Ufer der Ihna, hat das Offiziers-Corps des Kolbergschen Grenadier-Regiments Graf Gneisenau, auch die krummen Neuner genannt, den im Kriege 1870/71 gefallenen Kameraden und Mannschaften des Regiments ein Denkmal errichtet, das den Stargardern unter dem Blücherbrunnen oder Blücherdenkmal bekannt wurde und auf vielen schönen Ansichtskarten den Weg in die weite Welt fand. Drei Felder eines bronzenen Obelisk tragen die Namen der Gefallenen eines jeden Bataillons, das vierte Feld das Bild des Eisernen Kreuzes über den Erinnerungsworten „Kolberg 1807". Am 2. Dez. 1873 fand die Enthüllung statt, zu der Kaiser Wilhelm I. vier gusseiserne Kanonenrohre stiftete, die mit einer umschließenden Kette verbunden waren. General-Feldmarschall v. Moltke, der Chef des Regiments, war anwesend und die Weiherede hielt der königliche Superintendent Hoeppner.

Nur einen Steinwurf entfernt zur Stadtmauer hin fanden wir den Blockhausturm. Dieses Turmgebäude wurde zu einer viel besuchten Tabagie hergerichtet, in der auch der Feldmarschall Fürst Blücher von Wahlstadt in den Jahren 1807-11 als Generalgouverneur von Pommern sein Hauptquartier hatte und hier oft abendlich mit seinen Bekannten dem Kartenspiel zugetan war. Gehen wir nun die ziemlich steile Westmauerstraße bis zum Pyritzer Tor hinauf und an den vielen Geschäften der Pyritzer Straße vorbei zum großzügig angelegten Stargarder Marktplatz. Hier stand stolz die Figur der Germania auf einem 12 Fuß hohen ungleichseitigen, achteckigen Granitsockel. Der Saatziger Kreis hatte diese Gedenkanlage nach dem Feldzug von 1870/71 errichten lassen. Auf den vier vorspringenden Ecken des Sockels war jeweils kunstvoll der Greif als Wappentier der Provinz Pommern angebracht worden. Zwischen je zweien dieser Greife befand sich das Wappen der Stadt Stargard und darunter die Inschrift: „Der Saatziger Kreis - seinen gefallenen Söhnen". Die kunstvolle metallene Umwehrung wurde am 2. Sept. 1874 von einem Stargarder Bürger zur Einweihung gestiftet.

Regiment Gneisenau

Der Obelisk von 1924 stand für die Gefallenen vom Regiment "Graf Gneisenau"

Ein Video zu diesem Denkmal können Sie hiersehen.

In der Nähe dieses Marktplatzes sahen wir an der Südseite der Marienkirche ein Ehrenmal für die gefallenen Stargarder in dem Regiment Graf Gneisenau, der hier errichtete hohe Obelisk trug einen Krieger mit Schwert und Schild. Die Enthüllung fand am 5. Oktober 1924 statt. Die Bürgerschützen errichteten auf ihrem Bürgerschützenpark am Kleinen Krampehl für den Sieger von 1870/71, Seine Majestät Kaiser Wilhelm I., ein lebensgroßes Denkmal auf einem umwehrten Steinsockel, für Pommern eine mehr seltene Statue. Da der Bürgerschützenpark komplett 1943 als Kriegslazarett von der Wehrmacht übernommen wurde. war für viele Verwundete ein Erinnerungsfoto mit dem alten Kaiser und den jungen Krankenschwestern aus Stargard obligatorisch.

Kaiser Wilhelm I.

Die Germania auf dem Marktplatz von 1874, vom Saatziger Kreis für seine gefallenen Söhne gestiftet

Hinter der Johanniskirche, am Nachtigallensteig und Obergang zum Rondeel, stand die Büste unseres alten 1. Reichskanzlers Otto v. Bismarck. und zwar auf einem hohen Sockel mitten in einer gärtnerischen und sehr gepflegten Anlage.

Bismarck Denkmal.

Reichskanzler Otto v. Bismarck

Stargard's wohl ältestes Mahnmal, das Große Kreuz hinter dem Walltor aus schwedischem Kalkstein geschlagen, erzählte von keiner kriegerischen, aber einer äußerst tragischen und bitteren Affekthandlung eines jungen Menschen. Touristen und auch Stargarder Spaziergänger hielten immer wieder inne beim Vorübergehen am Mordkreuz - so nannte der Volksmund dieses Steinmal.

Reich ist auch die Zahl der Erinnerungsbäume im Stargarder Stadtgebiet, in der Mehrzahl wurde aus damaliger Sicht die deutsche Eiche hierzu erkoren. Auf dem Bismarck-Platz (Tolzwiesen) wurde die Bismarck-Eiche zum 80. Geburtstag des Fürsten am 1.4.1895 feierlich gepflanzt. An der Werdertrifft pflanzten die Stadtväter die Völkerschlachts-Eiche am 18.11.1913 zur 100. Wiederkehr des Sieges gegen Napoleon. Im Schützenpark wurde aus gleichem Anlass die schon 1863 gepflanzte Eiche 1913 neu geweiht.

Denkmal Kaiser Wilhelm I.

Denkmal Kaiser Wilhelm I. im Bürgerschützen-Park

Quelle: Stargard i. Pom. Denkmal Kaiser Wilhelm I. 1905;
Wilhelm Reisener, Stargard i. Pom.;Lichtdruck;
Pommersches Landesmuseum Greifswald,
Bildarchiv Nr. 15/1/238

Am 23. März 1897 wurde eine Kaiser-Wilhelm-Eiche im Bürgerschützenpark anlässlich des 100jährigen Bestehens gepflanzt und feierlich eingeweiht. Auf Veranlassung der Stargarder Stadtwalddeputation konnte im Stadtwald am 2. Okt. 1917, unter Teilnahme aller Stargarder Schulen, die Hindenburg-Eiche gepflanzt werden. Zur Erinnerung an den Stargarder Stadtbaurat Sonnabend, den Schöpfer des Stadtwaldes (1890 - 1920), wurde die Sonnabend-Eiche gesetzt. Die Villa Sonnabend steht heute noch hoch über der Stadt und beherbergte lange Zeit nach 1945 einen städtischen polnischen Kindergarten.

An Naturdenkmälern hatte Stargard auch einiges Sehenswertes vorzuweisen: Die Alte Linde an der Ihna, die große Eiche unmittelbar an St. Marien, der große Ahorn am Bismarck-Denkmal neben der Johanniskirche, die große Pappel am Exerzierplatz, die schönen Eiben auf dem Hof der Ihnaschule, der große Findling auf dem Neuen Friedhof am Preußen Weg, der aus dem Krampehltal stammt, nicht zu vergessen den Findling an der Stettiner Chaussee zu Ehren des 15. Meridian des Längengrads, der die Stargarder Zeit in Europa symbolisiert. Vergessen sind aber auch nicht die Gedenktafeln für berühmte Stargarder Persönlichkeiten stellvertretend für alle anderen, z.B. die des berühmtesten Stargarder Bürgers und späteren Bürgermeisters Peter Gröning, der mit dem Wissen und den Ansichten seiner Zeit weit voraus war und als Gründer des Peter-Gröning-Gymnasiums in Stargard in Pommern in die Geschichte einging.

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